
Abuna-Frans-Haus
Was ist das Abuna-Frans-Haus?
Im ehemaligen Pfarrhaus der Gemeinde St. Elisabeth im Westen von Essen leben seit 2017 zwei bis drei Jesuiten und bis zu acht Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Religionen zusammen.
Der Name des Hauses stammt von Frans van der Lugt, einem niederländischen Jesuiten, der in Syrien als Priester und Therapeut gearbeitet hat. „Abuna“ ist die arabische Bezeichung für „unser Vater“. Frans organisierte Wanderungen für Muslime und Christen. Durch die gemeinsame Naturerfahrung wollte er beide Religionen zusammenbringen. Im Jahr 2014 wurde er kurz vor dem Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen in Holms ermordet. Angeregt von ihm sind Muslime und Christen nicht nur in Syrien gemeinsam unterwegs!
Warum gibt es dieses Projekt?
Einige Jesuiten hegten seit dem Jahr 2015 den Wunsch, eine Wohngemeinschaft mit Menschen am Rand zu gründen. Im Jahr 2016 kamen 800.000 Mnschen auf der Flucht nach Deutschland. Gemeinsam mit der Ordensleitung wurde entschieden, in Essen eine Wohnmöglichkeit für „allein reisende“ Männer zu schaffen. Als Leitmotiv diente ein Spruch aus dem Matthäusevangelium (Kapitel 25): „Wenn ihr Flüchtlinge aufnehmt, steht Euch der Himmel offen. Wie ihr sie behandelt, so behandelt ihr mich. „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid!“
Wer leitet das Haus?

Drei Jesuiten leben und arbeiten im Abuna Frans Haus. Unterstützt werden wir vom Jesuitenorden, dem Bistum und den Gemeinden der Pfarrei St. Antonius Essen. Zahlreiche Spender*innen ermöglichen es, den verschiedenen Notleidenden zu helfen.
Pater Reginald Nwakolobi SJ aus Nigeria promoviert an der Universität Münster und beschäftigt sich in seiner Arbeit mit dem Gleichnis vom reichen Narren (Lukasevangelium 12,13–21). Zusätzlich ist er in der Pfarrei St. Antonius seelsorglich tätig.
Pater Courage Bakasa SJ aus Zimbabwe arbeitet an seiner Doktorarbeit im Bereich Politische Ökonomie an der Universität Witten/Herdecke. In der Pastoral der Pfarrei St. Antonius hat er eine Teilzeitstelle.
Pater Markus Inama SJ aus Österreich ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Litauen für die Ausbildung der jungen Jesuiten zuständig und er arbeitet ehrenamtlich im Osteuropa-Hilfswerk Concordia.
Unsere Kapazitäten und unser Konzept
Unsere Kapazitäten und unser Konzept
In unserem Haus können zusätzlich zum Team der Jesuiten acht männliche Geflüchtete leben. Jeder hat ein Einzelzimmer. Bad und Toilette wird mit anderen geteilt. Die Küche, das Wohnzimmer, der Garten und der Speiseraum werden von allen genutzt und gepflegt.
Jeden Dienstagabend treffen wir uns zum Essen, das einer von uns zubereitet. Anschließend werden die Hausarbeiten: Reinigung, Einkäufe und Weiteres auf alle verteilt. Manchmal kommt es zum Austausch über die Probleme des Zusammenlebens. Gelegentlich sind Gäste dabei, die unser Leben bereichern.
Wir wollen Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen einen entspannten Wohnraum bieten. Wer ausschließlich mit Christen oder ausschließlich mit Muslimen zusammenleben will, ist bei uns nicht am richtigen Ort. Wer aus ungesicherten Verhältnissen herauskommen will, wer eine Ausbildung oder Arbeit sucht, wer sein Deutsch verbessern will, … wer nach der Flucht die Chance auf ein besseres Leben nützen will, kann mit unserer Hilfe rechnen.
Unsere zehnjährige Geschichte:

- Lutz Müller SJ und P. Ludger Hillebrand SJ begannen das Projekt im Auftrag des Ordens. Es fand sich im Ruhrgebiet, am Ortsrand von Essen, ein fast leerstehendes Pfarrhaus. Bischof Franz Josef Overbeck hieß uns willkommen und Mitarbeiter des Bistums sorgten für die Renovierung des Hauses. Überwältigend war die Reaktion der Kirchengemeinde! Jugendliche malten den Keller aus; Flüchtlinge aus der Nachbarschaft halfen beim Umräumen der Bibliothek und beim Entfernen jahrzehntealter Tapeten; verschiedenste Menschen spendeten Möbel und Hausrat; Rentner installierten Lampen; eine Nachbarin brachte ein Apfelbäumchen vorbei; eine Frau der Ortscaritas organisierte neue Bettwäsche. Viele unserer Möbel stammen von der damals krebskranken, 50-jährigen Gemeindereferentin Andrea Hurlebusch.
Im Jahr 2019 haben die Jesuiten vier große Ziele formuliert, die uns als Richtschnur für das Wirken des ganzen Ordens über Kontinente hinweg dienen sollen. Diese Ziele, auch Präferenzen genannt, wurden von Papst Franziskus bestätigt. Eines der vier Ziele lautet „An der Seite der Benachteiligten: Gemeinsam mit den Armen, den Verworfenen der Welt, den in ihrer Würde Verletzten auf dem Weg sein, gesandt zu Versöhnung und Gerechtigkeit.“
Inzwischen haben über 40 Geflüchtete bei uns gewohnt. Zu manchen haben wir noch Kontakt. Der erste Bewohner, ein Syrer, hat geheiratet und wir freuen uns, wenn er mit seinem kleinen Sohn bei uns auftaucht. Ein weiterer Syrer, der damals im Paketdienst Arbeit fand, ist ebenfalls verheiratet und besucht uns, wenn es die Arbeit und Familie zulassen. Die Mitbewohner verlassen uns normalerweise, wenn ihr Aufenthalt gesichert, das Deutsch passabel und eine Arbeit gefunden wurde.

